D. G. Compton – Die übliche Verrücktheit

D. G. Compton - Die uebliche VerruecktheitD. G. Compton
Die übliche Verrücktheit

„Liebe macht blind“, sagt der Volksmund, und „Liebe ist Wahnsinn“, mutmaßte schon Shakespeare. Seit Professor Scholes‘ bahnbrechender Entdeckung weiß man es ganz genau: Was bislang naiv als „Liebe“ bezeichnet wurde, ist in Wirklichkeit eine Viruserkrankung, eine Infektion durch einen Erreger, der nach seinem Entdecker benannt ist.
Trifft ein Infizierter auf einen Partner, der ein ähnliches Scholes‘-Virus in sich trägt, kommt es zu einer phänomenalen Rückkopplung. Man nannte es früher „Liebe auf den ersten Blick“, nun heißt es klinisch exakt: „Reziproke Obsessions-Fixierung“ oder kurz: „ROF-Syndrom“.
Wurden früher Liebende „vom Schicksal zusammengeführt“, so ist es nun ein leichtes, selektiv Schicksal zu spielen. Die „Infektion“ von Giles Montacute Cranston, einem Handlanger des Geheimdienstes, und Tamsin McGillivray, einer Stewardess, wird mit kalter Effizienz geplant und unter „medizinischer Aufsicht“ durchgeführt – nur dass man Cranston anschließend sofort einer Rosskur zur Heilung von dem Virus unterzieht.
Das Ziel ist erreicht, die junge Frau ist absolut hörig. Sie soll als Schlüsselfigur zu einem spektakulären politischen Coup dienen.
Die Manipulation des intimsten menschlichen Bereichs, die Ausbeutung der aufopferungsbereiten Zuneigung, wäre damit perfekt, der Tatbestand der „biochemischen Geiselnahme“ gegeben.

269 Seiten. 1982.
ISBN 3-453-30809-3